Eine ungewöhnliche, eindrückliche Ausstellung ging eben zu Ende
– Rilkes Bildbetrachtung umgekehrt. Mein Dank gilt den beteiligten
Künstlern, die sich auf diese Idee eingelassen und mit ihrem gemeinsamen Konzept ein außerordentlich großes Besucherinteresse ausgelöst haben – was sicher auch die kommende Ausstellung erwarten läßt.
Bereits 2021 hatten mein Mann und ich den CELAN-Zyklus von MARKUS DAUM im Hesse-Museum in Gaienhofen gesehen und waren überzeugt, dass wir den Objektkünstler und Graphiker bitten würden, diese komplexe Arbeit in unserer noch in Planung befindlichen Reihe BILD & WORT hier in Singen vorzustellen.
Im Anschluss nun an unsere, mit Rilke verbundene Ausstellung mit seinem bildnerischen „Worpswede und Rodin-Hintergrund“ mit den Künstlerinnen Clara Rilke-Westhoff und Paula Modersohn-Becker ist es eine wunderbare Fügung, Markus Daum mit seinem Celan Zyklus zeigen zu können und somit auch eine Hommage an meinen Mann.
Paul Celan, geboren im Todesjahr von Rilke, wurde so alt wie Rilke und wie bei diesem spielten Frauen eine prägende Rolle, beispielsweise Ingeborg Bachmann, seine Geliebte und Cläre Goll, die sein Leben mit Plagiatsvorwürfen vergiftete. Vor allem durch die grandiose Giséle Celan-Lestrange – die in vielen Bildern sein Wort-Werk kommentierte – war er der Kunst verbunden. Vom „Austesten und Erraten“ spricht Paul Celan mit Blick auf die Arbeiten seiner Frau.
Die Auseinandersetzung mit der bildenden Kunst, mit dem Leben und Werk Celans wirkt bis in unsere Gegenwart. Im Gedenken zum 100. Geburts- und 50. Todesjahr dieses bedeutenden Lyrikers wurden zahlreiche Ausstellungen konzipiert u.a. wurde ein Teil des Zyklus von Daum „Schon nicht mehr / Immer noch – Paul Celan“ in der Galerie Ohnesorge, Bremen gezeigt. Leider musste die Galerie die Ausstellung durch den harten Corona-Lockdown kurz nach der Eröffnung schließen.
Erst 2021 konnte der gesamte und ergänzte Celan-Zyklus dann durch Dr. Ute Hübner im Hesse-Museum Gaienhofen gezeigt werden. Im Jahr 2023 war der Zyklus ein Programmteil des Workshops „Celan in der Bildenden Kunst der Gegenwart“, der von der Freien Universität Berlin im Literarischen Colloquium Berlin veranstaltet wurde.
am Freitag 19. Juni um 19 Uhr
wird Dr. Ute Hübner nun dankenswerterweise die Ausstellung (19.6. bis 23.8.)
Touch me – für Paul Celan von MARKUS DAUM
zusammen mit Markus Daum und Ihnen eröffnen. Wir freuen uns auf Sie und grüßen zuversichtlich und herzlich
Ihre Helena Vayhinger
Auf ein Wort - Rainer Maria Rilke ..…und ich möchte Sie, so gut ich kann, bitten Geduld zu haben gegen alles Ungelöste in Ihrem Herzen und zu versuchen, die Fragen selbst liebzuhaben wie verschlossene Stuben und wie Bücher, die in einer fremden Sprache geschrieben sind. Forschen Sie jetzt nicht nach den Antworten, die Ihnen nicht gegebenwerden können, weil Sie sie nicht leben könnten. Und es handelt sich darum alles zu leben. Leben Sie jetzt die Fragen. Vielleich leben Sie dann allmählich, ohne zu merken, eines fernen Tages in die Antwort hinein.